18.11.2019
Wenn Menschen plötzlich weg sind

Das Wesentliche über die Fahndung nach abgängigen Menschen auf den Punkt gebracht:

Grundsätzlich: Als „abgängig“ in Österreich gilt, wenn betreffend einer bestimmten Person eine polizeiliche Abgängigkeitsanzeige erstattet wurde. Unter welchen Umständen eine Abgängigkeitsanzeige erstattet werden kann, findet sich m § 24 SPG. Für die Abgängigenfahndung sind die unter Absatz 1 angeführten Ziffern 2, 3 und 4 relevant.
Quelle: https://www.jusline.at/gesetz/spg/paragraf/24

§ 24 SPG Fahndung

SPG – Sicherheitspolizeigesetz

Berücksichtigter Stand der Gesetzgebung: 18.11.2019

(1) Den Sicherheitsbehörden obliegt die Ermittlung des Aufenthaltsortes eines Menschen, nach dem gesucht wird (Personenfahndung), weil

1. eine Anordnung zur Festnahme nach Art. 4 Abs. 1, 2 oder 4 des Bundesverfassungsgesetzes über den Schutz der persönlichen Freiheit, BGBl. Nr. 684/1988, besteht;
2. befürchtet wird, ein Abgängiger werde Selbstmord begehen oder sei Opfer einer Gewalttat oder eines Unfalles geworden;
3. der Mensch auf Grund einer psychischen Beeinträchtigung hilflos ist oder Leben oder Gesundheit anderer ernstlich und erheblich gefährdet;
4. ein Ersuchen gemäß § 162 Abs. 1 ABGB oder § 111c Außerstreitgesetz – AußStrG, BGBl. I Nr. 111/2013, vorliegt, an der Ermittlung des Aufenthaltes eines Minderjährigen mitzuwirken.

Unter dem Menüpunkt „Ich brauche Hilfe“ https://www.oesterreichfindeteuch.at/ich-brauche-hilfe/ haben wir von OEFE versucht, auf unserer Homepage die wichtigsten Informationen und Tipps zusammen zu fassen.

Das Essentielle möchten wir hier nochmals explizit hervorheben:
Die Fahndung nach abgängigen Menschen stellt für die Sicherheitsbehörden in vielen Fällen eine große Herausforderung dar. Wir möchten hiermit ein wenig mithelfen, das Handeln der Polizei besser zu verstehen und damit Missverständnissen vorzubeugen.
Nein, die Polizei kann NICHT einfach ermitteln, wie es ihr gefällt! Vereinfacht ausgedrückt spielen zwei rechtliche Grundlagen eine besondere Rolle – das Sicherheitspolizeigesetz (SPG) und die Strafprozessordnung (StPO).

Das SPG dient nun als grundlegende Ermächtigung, bei bestimmten Verdachtsmomenten (siehe § 24 SPG Fahndung) eine Personenfahndung und damit notwendige Erhebungsmaßnahmen durchzuführen. Die auf Basis des SPG durchgeführten Ermittlungen sind aber eher als „zahnlos“ gegenüber den Möglichkeiten der StPO einzustufen. So haben die Sicherheitsbehörden zum Beispiel keine Möglichkeit, eine Hausdurchsuchung bei einer verdächtigen Person durchzuführen. Die hier erforderlichen Voraussetzungen würde die StPO bieten. Aber um diese anwenden zu dürfen, müssten bereits eindeutige Fakten erhoben worden sein, um einen dringenden Tatverdacht glaubhaft zu machen und somit eine Hausdurchsuchung gerichtlich anordnen zu können. Die Beweissammlung für einen dringenden Tatverdacht ist aber wiederum mit Mitteln des SPG sehr mühsam. Erschwerend kommt dazu, dass es kein Opfer – also keine Leiche gibt. Während Mordermittler grundsätzlich vom Opfer aus ermitteln, finden sich Abgängigenfahnder in einem nach allen Richtungen völlig offenen Ermittlungsfeld wieder.

Die grundlegende Polizeiarbeit besteht nun darin, die abgängige Person im polizeilichen Fahndungssystem auszuschreiben. Dabei fließen die Daten auch in die Datenbanken des Schengener Informationssystems (SIS). Das SIS ist ein digitales Netzwerk, mit dem Informationen über gesuchte Personen und gestohlene Gegenstände und Fahrzeuge gesammelt werden, die dann im gesamten Schengen Raum abrufbar sind.
Ergänzend zu dieser „passiven“ Fahndungsmethode könne Zielfahndungen an genau definierten Örtlichkeiten durchgeführt werden.
Die eigentliche kriminalistische Arbeit besteht aber im Ermitteln der Abgängigkeitsursache und natürlich des Aufenthaltes des Abgängigen. Hierzu werden alle Erkenntnisse gesammelt, die im Wege des SPG ermittelt werden können. Dazu gehört z.B. auch der Einsatz von Suchhunden. Sehr wichtige Fahndungsunterstützung bieten die Medien.

Welche Rolle spielt der Verein „Österreich findet euch“? Wir sind nicht die Polizei – wir sind keine Fahnder! Aber wir wollen und können mithelfen, Menschen wieder zu finden. Dies geschieht vor allem mit Hilfe der OEFE Community auf Facebook, unserer Homepage und natürlich durch den Einsatz von Suchhunden, die von befreundeten Organisationen des Vereines kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Wesentlich aber sehen wir auch unser Angebot, mit Angehörigen von Abgängigen zu sprechen und erforderliche Hilfe anzubieten. Wenn ein Mensch plötzlich nicht mehr da ist, hinterlässt er neben einem großen Fragezeichen bei den Ermittlungsbehörden vor allem eine Leere im familiären Umfeld. Die psychischen Belastungen, die dabei auf Angehörige herein brechen, können zu enormen Problemen werden. Hier gilt: Ein persönliches Gespräch von Mensch zu Mensch und vor allem das Gefühl vermittelt zu bekommen, verstanden zu werden, hilft mehr als tausend Ratschläge.

Abschließend sei erwähnt: Die meisten Ermittlungsfälle bergen zwar keine großartigen Kriminalfälle, doch sie berühren die Schicksale von Menschen auf das Einzigartigste. Wen die Realität interessiert – und man sich keine James Bond Geschichten erwartet – den dürfen wir das Buch „Vermisst“ vom Obmann des Vereines „Österreich findet euch“ Christian Mader empfehlen.
https://amalthea.at/produkt/vermisst/